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Rezension durch Phantastik.de

Von Carsten Kuhr:

Guido Krain hat vor zwei Jahren mit ELFENMOND seinen ersten, sehr umfangreichen Fantasy Roman vorgelegt. Der Roman las sich flüssig und spannend. Ein wenig später erschien dann unter dem Titel SUCCUBUS eine Anthologie mit erotischen Geschichten aus der Welt von Elfenmond, danach hörte man zunächst einmal nichts mehr aus Nosbador.
Nun erschien, kurz vor dem Jahreswechsel der Auftaktband der Ushovar Trilogie, deren beiden restlichen Bände im Jahresabstand erscheinen sollen.

Wiederum hat der Autor seine Handlung auf seiner aus Elfenmond bekannten Welt angesiedelt, diesmal allerdings im Nachbarkönigreich Ghoshaba wobei er als Handlungsträger neue, unverbrauchte Personen vorstellt. Cvon, die Namensgeberin des vorliegenden Buches, ist eine junge, vom Schicksal schon allzu früh gezeichnete Frau. Als Kind muss sie miterleben, wie ihre Mutter vergewaltigt und anschliessend bestialisch ermordet wird, dann ist sie an der Reihe. Sie wird missbraucht und geschändet, doch dann findet das Heft eines magischen Orkschwertes den Weg in ihre Hand - fürderhin wird ihr nie mehr Jemand weh tun, das schwört sie sich. Sie verdingt sich und ihre magische Doppelklinge als Gastwirtschafts-Rausschmeisser im vom Bürgerkrieg gebeutelten Vuna.
Doch dann ködert ein Magier sie, mit dem Versprechen für Frieden zu sorgen, und sendet sie aus, eine unschlagbare Armee zu rekrutieren eine Armee wilder, ungezügelter und unbesiegbarer Ungeheuer. Ihr zur Seite stehen nur drei Orks, Nachkommen des Schmiedes, der ihre Klinge gefertigt hat, ein unwilliger Elf und die unerfahrene, verzogene und verschlagene Tochter des Magiers - ihre Gegner, alle verfeindete Gruppen des dreckigen Bürgerkrieges, Götter und deren Streiter. Es sieht nicht gut aus für unsere Truppe, doch da zeigt sich, dass auch ihre Bemühungen die Unterstützung höherer Mächte haben...

Verglichen mit Elfenmond bietet sich dieses Werk wesentlich mehr auf den Punkt geschrieben dar. Guido Krain nutzt den Vorteil, seine Handlung in einer dem Leser bereits ein wenig bekannten Welt anzusiedeln, braucht so wenig Platz für Beschreibungen der Handlungsorte. Statt dessen berührt er seine Leser gleich zum Auftakt mit der ergreifenden Schilderung der Vergewaltigung Cvons, der Panik und Verwirrung, die das Kind angesichts der Untat überkommt. Hier vermochte der Autor mich zu packen, ich fühlte mit dem Kind mit, litt mit, und nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass der Unmensch seine gerechte Strafe bekam. Dann dauert es ein wenig, bis die handelnden Figuren alle vorgestellt sind, und man erfährt, was der Autor sich als Queste für seine Protagonisten ausgedacht hat. Obwohl in dieser Phase viel passiert, es gibt blutige Kämpfe, Geheimnisse, Überfälle blieb das Ziel zunächst ein wenig nebulös. Erst als sich unsere Schar aufmacht, ihre Expedition in Angriff nimmt, kommt die Handlung so richtig in Fahrt. Und dann, wir sind so richtig im Schwung kommt der Cliffhanger par Excellenze - nun heisst es ein Jahr warten bis wir erfahren, wie es weitergeht.

Wie schon zu Beginn erwähnt ist dieses Werk, verglichen mit dem Erstling Elfenmond, bislang zumindest lange nicht so tief strukturiert. Dies geht, betrachtet man den jeweiligen Umfang der beiden Bücher, auch gar nicht. Bot uns Elfenmond eine in sich abgeschlossene, vielschichtige Geschichte mit verschiedenen Handlungssträngen, so stellt Cvon den Auftakt eines Zyklus dar. Ein spannender Anfang, der den Grundstein zu einem letztlich noch etwas unklaren Plot legt, der die Handelnden vorstellt und neugierig machen soll, auf das, was in den Folgeteilen noch kommen wird. Das Interesse ist geweckt, die Protagonisten sind teilweise rätselhaft, zum Teil sympathisch, manchmal noch ein wenig unscharf, so dass auch hier für die folgenden Teile Gestaltungsspielraum bleibt. Insbesondere zu Beginn der Erzählung vermochte mich der Autor mit seiner einfühlsamen und gleichzeitig intensiven Schilderung der Ereignisse, die Cvon zu der Frau machten, als der wir ihr begegnen zu überzeugen. Hier gilt es weiterzumachen, angedeutet wurde auch bereits ein Konflikt der Elfen, die um neue Bedeutung ringen.

Auch die angedachte Beziehung zwischen dem Anführer der Orks und der, angesichts der Vorkommnisse ihrer Kindheit Männern gegenüber nicht eben aufgeschlossenen Protagonistin wird sicherlich noch ein Thema werden.