Leseprobe "Sturm" PDF Drucken E-Mail

Ein Wassertropfen hatte sich aus ihren Haaren gelöst und rollte nun ganz sanft und neugierig an ihrem Hals hinab. Fasziniert beobachtete er, wie der Tropfen durch ihre gierigen Schluckbewegungen umgelenkt wurde und sich in der kleinen Kuhle über ihrem Brustbein sammelte. Langsam wurde aus dem einzelnen Tropfen ein kleiner See und als dieser überlief, stürzte sich der kleine Tropfen übermütig hinab über das Brustbein und die noch immer sichtbare Narbe dort.

Wie würde sie wohl reagieren, wenn sie ihn das erste mal sehen konnte? Mit Furcht, die ihrem zarten Duft eine so intensive Note gab? Mit dem Versuch, ihn zu töten? Würde er sie töten müssen? Der Gedanke wollte ihm nicht recht gefallen, auch wenn sie all seine Instinkte ansprach. Vielleicht könnte er sie betäuben und dann zu der alten Frau in die Menschensiedlung bringen.

Der kleine Tropfen hatte inzwischen seinen Weg weiter fortgesetzt und war unter der leichten Decke verschwunden. Hatte er in ihrem Nabel eine Rast eingelegt, oder war er gleich den ganzen Weg gegangen, begierig, sich mit ihren Tropfen zu vereinen?

(Auszug aus der Geschichte "Sturm" von Dorée Hirsch)

 
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Rezension durch Phantastik.de

Autor: Carsten Kuhr

Sieben Geschichten von drei Autoren erwarten den Leser in diesem, preislich sehr attraktiven Band. Sieben Stories aus Nosbador und Umgebung, sieben Novellen deren Inhalt den Freund erotischer Literatur ebenso ansprechen soll, wie den Fantasy-Leser. Es gibt nicht gerade viele Beispiele erotischer Fantasy in der großen Masse an entsprechenden Werken, die heute veröffentlicht werden. Eine Art Marktnische also, in die unser Autoren-Triumvirat hier vorstößt.

Bezeichnend, dass zwei der Autoren Frauen sind, die bekanntermaßen mit erotischer Literatur oftmals feinfühliger und überzeugender umzugehen wissen, als ihre männlichen Kollegen, so dass die oftmals schwierige Abgrenzung zur pornographischen Literatur, trotz aller Deutlichkeit und Offenheit in der Darstellung der entsprechenden Szenen, problemlos gelingt.

Dies soll aber nicht etwa heißen, dass Guido Krain, als einziger Vertreter des vermeintlich starken Geschlechts nicht ebenso überzeugende Geschichten vorlegt, wie seine beiden Kolleginnen. Die Autoren berichten uns von oftmals schmerzlichen Begegnungen ihrer jeweiligen Protagonisten mit ihren Verführer(inne)n. Das sado-maso Element kommt dabei nicht zu kurz, ohne Selbstzweck zu sein. Immer wieder werden die Motive des Schmerz und der sexuelle Erfüllung miteinander verknüpft, erzählen uns die Autoren von der Erfüllung, die ihre Protagonisten in ihrer Beziehung trotz oder gerade auch wegen der Schmerzen finden.

 
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